Capitano Rossi: Eine Bar, die mehr erzählt als nur Drinks

0
133
© Eiland, www.culinarius.at

Manchmal braucht es einen kompletten Richtungswechsel, damit etwas Eigenes entstehen kann. Michael di Rossi Roth hat genau das getan. Nach Jahren in einer durchgetakteten Branche steigt er aus, geht aufs Schiff und arbeitet in der Karibik auf eiem Kreuzfahrtschiff hinter der Bar. Kein klassischer Karriere-Schritt, eher ein bewusstes Innehalten. Und genau dort, zwischen Salzluft und offenen Horizonten, formt sich eine Idee, die später in Wien landen wird. Nicht als Kopie italienischer Bars. Sondern als Interpretation eines Lebensgefühls. In Mariahilf hat dieses Gefühl jetzt eine Adresse: Capitano Rossi.

Der Raum versteht sich weniger als klassische Bar, sondern als Übergangszone. Ein Ort, an dem nichts muss, aber vieles entstehen darf. Der erste Drink nach der Arbeit, der zweite aus Neugier, der dritte, weil das Gespräch gerade zu gut ist, um zu gehen.

© Eiland, www.culinarius.at

Die Karte folgt keiner reinen Logik, sondern einer Stimmung. Drinks mit Namen, die hängen bleiben, und Rezepturen, die mehr erzählen als nur Zutaten. Mal rauchig, mal verspielt, mal überraschend direkt. Hier wird nicht einfach gemixt, hier wird interpretiert – mit einem klaren Blick für Qualität und einem spürbaren Augenzwinkern. Auch kulinarisch bleibt alles bewusst reduziert. Kleine mediterrane Teller, die begleiten statt dominieren. Dinge, die man teilt, während man sitzt, redet, lacht. Ohne große Inszenierung, aber mit Präzision.

© Eiland, www.culinarius.at

Was sofort auffällt: Die Atmosphäre entsteht nicht durch Design allein, sondern durch Menschen. Roth steht nicht im Hintergrund, sondern mittendrin. Gastgeber im eigentlichen Sinn. Unterstützt von einem Team, das nicht geschniegelt wirkt, sondern präsent, aufmerksam und entspannt. Diese Haltung zieht sich auch durch das Programm. Musik ist kein Zusatz, sondern Teil des Konzepts. Bereits zur Eröffnung mischen sich Beats mit Gesprächen, später folgen Abende, die irgendwo zwischen Afterwork, Tanzfläche und Wohnzimmer liegen.

© Eiland, www.culinarius.at

Formate wie „Funky Disco Spicy Pop“ geben dem Ganzen einen Rhythmus, der sich nicht aufdrängt, aber bleibt. Im Mai wird das Lokal zusätzlich zur Anlaufstelle rund um den Song Contest, im Juni öffnet es sich bewusst für die Pride Week – nicht als Pflichtprogramm, sondern als gelebte Selbstverständlichkeit.