Heringsschmaus mit Hitgarantie: Faschingsfinale im Marchfelderhof

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© Monika Fellner

Wenn in Wien der letzte Walzer beim Wiener Opernball verklungen ist, der Zuckerbäckerball seine Tortenkrönchen absetzt und auch Philharmoniker wie Kaffeesieder ihre Ballroben lüften, dann weiß man: Jetzt wird’s ernst. Oder besser gesagt – jetzt wird’s richtig genussvoll. Denn das große Faschingsfinale steigt traditionell im Marchfelderhof beim legendären Künstler-Heringsschmaus. Und ich mittendrin.

 

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Von Müdigkeit keine Spur. Im Gegenteil: Die Stimmung war so beschwingt wie ein Walzer im Dreivierteltakt. Gabriela Benesch und Erich Furrer strahlten um die Wette, Kult-Figaro Erich Joham plauderte charmant, während Bäckermeisterin Doris Felber und Malerin Maria Lahr bereits mit sichtlicher Vorfreude Richtung Buffet schielten. Model Beatrice Turin und Unternehmerin Andrea Fendrich? Bestens gelaunt und bereit für alles, was der Hering so hergibt.

Hausherr Peter Großmann erzählte mir schmunzelnd, dass schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges Künstler in weniger rosigen Zeiten der Einladung seiner Urgroßmutter Bocek folgten – angelockt von ihrem legendären Heringssalat. Als Dank verwandelten Burgtheater- und Opernstars die Bühne kurzerhand in ein klingendes Podium. Eine Tradition also, die nicht nur nach Fisch, sondern auch nach Geschichte schmeckt.

© Monika Fellner

Und nein, es blieb längst nicht beim klassischen Heringssalat. Opernstars Natalia Ushakova und Thomas Weinhappel zeigten sich ebenso begeistert wie Bühnenbildner Manfred Waba, Schauspielerin Daniela Ziegler und Gerhard Ernst sowie die Theaterdirektoren Stefan Mras und Sissy Boran. Avocado-Tatar, Granatapfel-Bismarckhering mit Currycreme, Feigen-Shrimps-Salat mit Dillen-Mousseline, pannonische Fischsuppe und gebratenes Wallerfilet mit Mandelbutter – ich sag’s euch: Fastenzeit? Noch ganz weit weg.

Die Haubenköche Robert Letz und Heinz Hanner beobachteten das Geschehen mit einem Augenzwinkern, während Promi-Winzerin Katharina Baumgartner großzügig nachschenkte. „Manche Gäste zittern der Fastenzeit schon entgegen“, wurde hinter vorgehaltener Hand gewitzelt – gezittert hat hier höchstens vor Begeisterung.

© Monika Fellner

Für pointierte Unterhaltung sorgte Dieter Chmelar, der mit viel Schmäh durch den Abend führte und dem österreichischen Ausnahmekünstler Reinhold Bilgeri herzlich zu seinem 60-jährigen Bühnenjubiläum gratulierte. Gemeinsam mit Gary Lux wurde gescherzt, als hätte man sich gerade erst backstage kennengelernt. „Der muss ja mit fünf Jahren debütiert haben!“, hieß es augenzwinkernd.

Sichtlich gerührt griff Bilgeri selbst zum Mikrofon – und plötzlich wurde aus dem Heringsschmaus ein Hit-Feuerwerk. „Desperado“, „Video Life“, „Forever in Love“ – der Gobelin-Saal verwandelte sich in eine Konzertarena. Musicalsänger Gernot und Stella Kranner, Tony Wegas und viele andere feierten begeistert mit. Zum Gänsehautmoment wurde ein spontanes Duett mit Sopranistin Iva Schell – von „Big Spender“ bis „Somewhere Over the Rainbow“. Ich sag nur: Standing Ovations zwischen Fischsuppe und Feigensenf.

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Als krönenden Abschluss forderten Sandra Bleidt, Barbara Helfgott und „Alpen-Lydia“ Kelovitz lautstark den Bilgeri-Klassiker „Some Girls Are Ladies“ – und natürlich bekam das Publikum, was es wollte.

Mit dabei waren auch Kabarettistin Edith Leyrer, Jacqueline Lugner, Kathi Stumpf, Moderator Alexander Rüdiger und Influencer Martin Riznar – und alle waren sich einig: So schmeckt das Ende des Faschings.

Mein Fazit? Der Künstler-Heringsschmaus im Marchfelderhof ist kein simples Fischessen. Es ist ein gesellschaftliches Bühnenstück mit musikalischer Zugabe, kulinarischem Applaus und einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh. Und genau so darf ein Fasching zu Ende gehen.