Immunsystem boosten? Was in der kalten Jahreszeit wirklich hilft

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Bild von silviarita auf Pixabay

Das Immunsystem mit Vitaminen und Co. schnell „boosten“? Die Vorstellung klingt verlockend, ist wissenschaftlich aber irreführend. Eine möglichst starke Immunreaktion ist keineswegs das Ziel. Doch was braucht unsere Abwehr tatsächlich? Pure Encapsulations® räumt gemeinsam mit Pharmazeutin und Nährstoffexpertin Tina Werner mit verbreiteten Immunmythen auf und erklärt, warum häufige Erkältungen bei Kindern meist kein Grund zur Sorge sind, was Vitamine leisten können und welche fünf Routinen Familien durch die kalte Jahreszeit helfen.

Das Immunsystem braucht keinen schnellen „Boost“

Kaum beginnt die Erkältungssaison, haben sogenannte „Immun-Booster“ wieder Hochsaison. Doch die Vorstellung, man könne die körpereigene Abwehr kurzfristig auf Höchstleistung bringen, ist irreführend. Das Immunsystem ist ein komplexes Schutzsystem: Haut und Schleimhäute bilden die erste Barriere gegen Krankheitserreger, verschiedene Immunzellen erkennen und bekämpfen eingedrungene Erreger. Entscheidend ist, dass dieses Zusammenspiel richtig funktioniert. „Ein gut funktionierendes Immunsystem reagiert auf Krankheitserreger gezielt und angemessen. Es geht nicht darum, die Abwehr möglichst stark anzukurbeln. Eine übermäßige Immunreaktion kann dem Körper sogar schaden“, erklärt Tina Werner, Pharmazeutin und Nährstoffexpertin bei Pure Encapsulations®.Wer seine Abwehrkräfte unterstützen möchte, sollte deshalb bei den Grundlagen ansetzen: ausreichend schlafen, sich regelmäßig bewegen, abwechslungsreich essen und Zeit für Erholung einplanen.

Häufig erkältet heißt bei Kindern nicht automatisch immunschwach

Kaum ist eine Erkältung überstanden, kündigt sich schon die nächste an. Gerade bei kleinen Kindern ist das häufig normal: Sechs bis zehn, teilweise sogar bis zu zwölf Atemwegsinfekte pro Jahr können im Krippen- und Kindergartenalter vorkommen, ohne auf eine Immunschwäche hinzudeuten. Das erworbene Immunsystem entwickelt sich durch den Kontakt mit neuen Erregern weiter. „Für die Beurteilung häufiger Erkältungen zählt nicht nur ihre Anzahl. Entscheidend ist auch, wie die Infekte verlaufen und wie sich das Kind dazwischen entwickelt“, erklärt Werner. Erholt sich ein Kind zwischen den Infekten gut und entwickelt es sich normal, sprechen häufige unkomplizierte Erkältungen in der Regel nicht für eine Immunschwäche. Ungewöhnlich schwere oder langwierige Infekte sollten hingegen ärztlich abgeklärt werden. Im Herbst und Winter erleichtert zudem der häufigere Aufenthalt in Innenräumen die Verbreitung von Atemwegsviren.

Vitamin C kein sicherer Erkältungsschutz

Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Es unterstützt unter anderem die Funktion verschiedener Immunzellen und trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine zusätzliche Einnahme vor Erkältungen schützt. „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei und hilft, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Eine ausreichende Versorgung ist deshalb wichtig. Eine zusätzliche Aufnahme über den Bedarf führt aber nicht automatisch zu weiteren Vorteilen“ erklärt Tina Werner.

Wann Nahrungsergänzung sinnvoll sein kann

Ob zusätzliche Mikronährstoffe sinnvoll sind, hängt vom individuellen Bedarf und der bestehenden Versorgung ab. „Nahrungsergänzungsmittel können helfen, Versorgungslücken zu schließen, etwa wenn über die Ernährung nicht genügend Nährstoffe aufgenommen werden, ein erhöhter Bedarf besteht oder ein Mangel festgestellt wurde“, erklärt Tina Werner. Kinder, die ausreichend versorgt sind, benötigen nicht automatisch zusätzliche Vitamin- oder Mineralstoffpräparate. Gerade bei ihnen sollten Produkte und Dosierungen zum Alter passen. Eltern, die mehrere Präparate kombinieren, etwa Multivitaminpräparate, Gummies und Einzelsupplemente, sollten die enthaltenen Nährstoffe und deren Dosierung im Blick behalten. So lässt sich die Ergänzung gezielt auf den individuellen Bedarf abstimmen. Bei entsprechendem Bedarf können Nahrungsergänzungsmittel gezielt Versorgungslücken schließen und eine abwechslungsreiche Ernährung sowie gesunde Alltagsgewohnheiten sinnvoll ergänzen.

Fünf Routinen für den Familienalltag

Die Unterstützung der normalen Immunfunktion beginnt bei grundlegenden Gewohnheiten. Dabei kommt es auf das Zusammenspiel von Ernährung, Schlaf, Bewegung und Erholung an. Wie Familien diese Grundlagen im Alltag umsetzen können, erklärt Tina Werner im Kurzinterview:

Fünf Maßnahmen bilden die Basis:

  • Ausreichend und regelmäßig schlafen: Was hilft bei einer guten Schlafroutine?
    „Kinder brauchen ausreichend Schlaf, der zu ihrem Alter passt. Während des Schlafs werden wichtige Prozesse des Immunsystems reguliert. Feste Schlafenszeiten, eine ruhige Schlafumgebung und wiederkehrende Abendrituale können helfen, zur Ruhe zu kommen und gut zu schlafen.“
  • Regelmäßig bewegen: Muss es dafür ein intensives Sportprogramm sein?
    „Es braucht keinen Extremsport. Schon regelmäßige, moderate Bewegung unterstützt die normale Immunfunktion. Dazu gehören etwa Spaziergänge, Radfahren oder Spielen an der frischen Luft. Wichtig ist, dass die Bewegung zum Alter und zur körperlichen Verfassung passt und sich gut in den Alltag einbauen lässt.“
  • Abwechslungsreich und ausreichend essen: Welche Rolle spielen Mikronährstoffe?
    „Der Körper braucht ausreichend Energie, Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe, damit das Immunsystem normal funktionieren kann. Eine abwechslungsreiche Ernährung bildet dafür die Grundlage. Werden einzelne Nährstoffe nicht ausreichend aufgenommen oder besteht ein höherer Bedarf, können Nahrungsergänzungsmittel gezielt helfen, Versorgungslücken zu schließen. 
  • Innenräume regelmäßig lüften: Warum ist das gerade im Herbst und Winter wichtig?
    „Wenn wir mehr Zeit gemeinsam in Innenräumen verbringen, können sich Atemwegsviren leichter verbreiten. Regelmäßiges Lüften tauscht verbrauchte Luft gegen frische aus und kann die Menge an virushaltigen Partikeln in der Raumluft verringern. So lässt sich das Risiko einer Übertragung reduzieren.“
  • Erholung einplanen: Warum gehören Pausen zur Immunroutine?
    „Anhaltender Stress kann verschiedene Funktionen des Immunsystems beeinträchtigen. Deshalb sind bewusste Erholungsphasen wichtig – auch für Kinder. Ein voller Alltag braucht einen Ausgleich: Zeit zum freien Spielen, gemeinsame ruhige Momente und Pausen ohne festes Programm können helfen, abzuschalten.“