Wenn im Marchfeld die ersten weißen Stangen aus der Erde blinzeln, ist es kein gewöhnlicher Frühling – es ist Hofstaat-Saison. Und so wurde der Marchfelderhof einmal mehr zur königlichen Residenz eines Gemüses, das sich längst vom Beilagenthema zum Hauptdarsteller emanzipiert hat: Seine Majestät, der Spargel.
„Die Habsburger wussten sehr genau, weshalb sie ihre Prachtschlösser ins Marchfeld setzten – sie grenzen ja praktisch an die legendären Spargelfelder“, schmunzelte Hausherr Peter Großmann, der den royalen Gemüsebesuch mit der ihm eigenen Mischung aus Grandezza und Augenzwinkern empfing.
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Hofzeremoniell mit Blasmusik, Biss und Boulevard
Schon der Einzug hatte Staatsakt-Qualität: eine 35-köpfige Blaskapelle, die mehr Fanfare als Frühgemüse versprach, eskortierte die Wiener Society in den Festsaal, als würde gleich ein diplomatischer Vertrag zwischen Erde und Teller unterzeichnet.
Allen voran glänzte Society-Ikone Birgit Sarata, gefolgt von einem hochkarätigen Ensemble aus Bühne, Politik und Kulinarik. Mit dabei: Opernlegende Kurt Rydl, Kabarettist Dieter Chmelar, Regisseur Marcus Strahl samt Leila, sowie die ehemalige US-Botschafterin Helene von Damm und Kabarettistin Edith Leyrer – alle geschniegelt, gestriegelt und offensichtlich spargelbereit. Empfangen wurde die illustre Gesellschaft standesgemäß von Pauken, Trompeten und einem Gemüse, das sich sichtbar über seinen royalen Status freute.

Segnung, Saisonstart und Spargel-Serenade
Nach der feierlichen Segnung durch Pater Peter Paskalis – inklusive höfischer Bitte „nach ganz oben“ um eine gnädige Spargelsaison – wurde es kulinarisch ernst.
Marchfelderhof-Küchenchef Josef „Pepo“ Krajco ließ ein viergängiges Spargelmenü auffahren, das irgendwo zwischen Frühlingsgedicht und kulinarischer Liebeserklärung lag. Spargel-Olivenragout, Spargel-Panna-Cotta mit Lachs, Spargelmelange und Rindsschulter mit Brioche-Spargelhaube sorgten dafür, dass selbst erfahrene Society-Gäste kurz in ehrfürchtiges Schweigen verfielen.

Unter den Genießenden: Unternehmerin Kathi Stumpf, Verlegerpaar Ekaterina und Christian Mucha, Ingrid Wendl, Alexandra Reinprecht, Thomas Strobl sowie Caroline Perron – alle vereint im gemeinsamen Versuch, den Frühling nicht nur zu sehen, sondern zu schmecken.
Krönung, Kritik und königliche Ambitionen
Für den royalen Höhepunkt sorgte erneut Entertainer Julian F. M. Stoeckel, der mit großer Geste „Carolina I.“ krönte und damit endgültig klarstellte: Spargel ist nicht nur Gemüse, sondern Staatsform.

Die Idee inspirierte prompt weitere royale Gedankenspiele – Sängerin Beatrice Turin, Profitänzerin Conny Kreuter und Stargeigerin Barbara Helfgott sollen bereits über eine dynastische Erweiterung in Richtung „Spargel-Prinzenamt“ diskutiert haben. Man munkelt: Wien hat schon skurrilere Regierungsformen gesehen.
Wehmut unter Wein und Würze
Bei aller Frühlingsfreude schwang ein Moment der Stille mit. Die Erinnerung an Marchfelderhof-Gründer Gerhard Bocek war spürbar präsent. Im Rahmen der traditionellen Gedenkmedaille wurde in diesem Jahr BM a.D. Dr. Werner Fasslabend geehrt – eine Auszeichnung, die nach pointierter Laudatio durch Helene von Damm überreicht wurde.
Ein stiller, würdevoller Moment inmitten eines Abends, der sonst eher zwischen Blasmusik, Genuss und Gesellschaftsraunen pendelte – und genau deshalb so besonders war.

Finale mit Fox, Gefühl und Frühlingsrausch
Als die legendäre John Fox Band im Gobelinsaal ein musikalisches Revival hinlegte, war es endgültig vorbei mit Zurückhaltung. „Narrenkast’l schaun“ und „Schön is des G’fühl“ trafen exakt jenen Nerv, der den Marchfelderhof seit Jahrzehnten ausmacht: ein bisschen Nostalgie, viel Humor und ganz viel Lebenslust.
Und so endete die Spargelgala, wie sie begonnen hatte: mit Applaus, Augenzwinkern und der stillen Erkenntnis, dass im Marchfeld selbst Gemüse eine Karriere machen kann.
