Wo Neapel auf Wien trifft: COCORE und die Kunst der Ehrlichkeit

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© Andreas Lepsi/Robin Consult

Manchmal gibt es Orte, die sich nicht wie ein Restaurant anfühlen, sondern wie ein Stück Lebensgefühl. COCORE – Pizza mit Herz ist für mich genau so ein Ort. Hier wird Italien nicht nachgespielt, sondern gelebt – mit dieser ruhigen Selbstverständlichkeit, die man spürt, wenn Menschen mit Liebe zu ihren Wurzeln kochen.

Hinter dem COCORE steht das Ehepaar Giuliana Migliaccio und Emiliano Esposito, das Italien ein bisschen nach Wien mitgebracht hat. Beide kommen aus Kampanien, aus einer Landschaft, in der Meer und Erde nah beieinander liegen. Vieles, was man hier isst, beginnt eigentlich schon auf ihrem eigenen Hof in Bacoli. Das Olivenöl wird selbst gepresst, Büffelmozzarella entsteht in der hauseigenen Käserei, und sogar die Salami vom schwarzen Schwein stammt aus eigener Zucht. Es ist dieses Gefühl von kurzen Wegen, das die Küche so ehrlich macht.

© Andreas Lepsi/Robin Consult

Der Name COCORE kommt aus dem Neapolitanischen und bedeutet „mit Herz“. Genau so wirkt die Küche für mich: unkompliziert, ehrlich und gleichzeitig erstaunlich präzise. Besonders faszinierend ist das Pizza-Labor von Emiliano Esposito. Er hat das Handwerk schon als Jugendlicher gelernt, gemeinsam mit seinem Vater in einem Strandrestaurant bei Neapel. Heute experimentiert er in Wien mit Teigen und Aromen – manchmal mit Kurkuma im gelben Pizza-Teig, manchmal mit Gelbflossen-Thunfisch oder weißen Trüffeln auf der Tartuffiamoci. Es sind Pizzen, die ein bisschen mutig sind, aber nie ihre mediterrane Seele verlieren.

Auch die Pasta fühlt sich handgemacht an. Spaghetti aglio, olio e peperoncino stehen neben Gnocchi alla Sorrentina oder Tortelli mit Trüffelfüllung. Alles wirkt ruhig, fast selbstverständlich, als wäre gute italienische Küche immer schon genau so gedacht gewesen.

© Andreas Lepsi/Robin Consult

Bei Fleisch und Fisch bleibt man der Philosophie der kurzen Wege treu. Ein Teil der Produkte kommt aus der eigenen Zucht, ergänzt durch regionale Partner wie die Metzgerei Gissinger für österreichische Fleischqualität. Besonders gut erinnere ich mich an den gegrillten Oktopus auf Kartoffelcreme – schlicht, aber unglaublich stimmig.

Für mich hat das COCORE auch eine gewisse Süße im Charakter. Die Auswahl an Dolci ist ungewöhnlich groß für ein klassisches Ristorante. Cannoli Siciliani, Sfogliatelle oder die zitronige Delizia al Limone erzählen ein bisschen von süditalienischer Pasticceria. Dass täglich frisch gebacken wird, passt zu diesem Anspruch von Nähe und Handwerk.

© Andreas Lepsi/Robin Consult

Die Weinkarte bleibt klar italienisch geprägt – von frischem Roero Arneis über Primitivo bis zu großen Namen wie Brunello di Montalcino oder Amarone. Dazu gibt es Kooperationen mit Naturweinproduzenten. Beim Getränkeschluss darf es dann ruhig traditionell sein: Limoncello, Grappa oder ein Amaro, so wie man es in Neapel nach dem Essen kennt.

Am Ende ist COCORE für mich weniger ein Lokal als ein kleines Stück italienischer Lebensart in Wien – ein Ort, an dem Pizza, Pasta und Dolci nicht perfekt inszeniert wirken, sondern einfach ehrlich gut.