Manchmal betritt man ein Restaurant – und spürt sofort, dass hier mehr dahintersteckt als ein gutes Konzept. Genau dieses Gefühl hatte ich im neuen COCORE in der Wiener Innenstadt. Hier geht es nicht nur um Pizza. Hier geht es um Herkunft, Familie und ein Stück Süditalien, das seinen Weg nach 1010 Wien gefunden hat.
Giuliana Migliaccio und Emiliano Esposito bringen mit ihrem zweiten Standort nicht einfach neapolitanische Küche in die Stadt – sie bringen ihre eigene Geschichte mit. Die beiden sind Landwirte in zweiter Generation in Bacoli, einer kleinen Gemeinde am Tyrrhenischen Meer. Und fast alles, was in der Bräunerstraße auf den Tisch kommt, beginnt tatsächlich dort: am familieneigenen Bauernhof am Meer.
Olivenöl aus eigener Pressung. Fleisch aus eigener Zucht. Büffelmozzarella aus der hauseigenen Käserei. Das klingt nach einer romantischen Erzählung – ist hier aber gelebte Realität.
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Wo Pizza zur Handschrift wird
Das Herzstück des Lokals ist das „Pizza-LAB“. Und ja, das darf man ruhig wörtlich nehmen. Emiliano Esposito hat sein Handwerk von klein auf gelernt, im Strandrestaurant seines Vaters bei Neapel. Was heute seinen Ofen verlässt, ist eine spannende Mischung aus Tradition und Mut.
Eine leuchtend gelbe Pizza mit Kurkuma-Teig. Eine mediterrane Variante mit Gelbflossen-Thunfisch. Oder die „Tartuffiamoci“ mit Steinpilzcreme und weißen Trüffeln, die so opulent ist, dass man fast kurz innehalten muss.
COCORE bedeutet im Neapolitanischen „mit Herz“. Und genau das spürt man hier. Es geht nicht darum, Trends hinterherzulaufen – sondern darum, das Eigene selbstbewusst zu zeigen.

Ein Abend, der gezeigt hat, wie sehr Wien Italien liebt
Bei der Eröffnung war der Andrang entsprechend groß. Ich habe bekannte Gesichter entdeckt wie Tennis-Ass Stefan Koubek, Musiklegende Boris Bukowski, Sängerin Dorretta Carter, Schauspieler Adi Hirschal oder Entertainer Dennis Jale. Auch Corinna Kamper und Danilo Campisi ließen sich die neuen Kreationen schmecken.
Was mir gefallen hat: Es war keine steife Society-Veranstaltung, sondern ein lebendiger Abend mit viel Neugier – und noch mehr Pizza.
Pasta wie in Neapel – nur eben in Wien
COCORE reduziert sich nicht auf Pizza. Die Pasta-Karte ist eine kleine Liebeserklärung an Italien. Klassiker wie Spaghetti aglio, olio e peperoncino stehen neben handgezogenen Tortelli al Tartufo. Man schmeckt, dass hier jede Nudel bewusst gemacht wird.
Spannend finde ich auch die Kombination aus italienischer Herkunft und regionaler Partnerschaft. So trifft etwa Salami vom schwarzen Schwein aus eigener Zucht auf österreichische Fleischqualität – eine Brücke zwischen zwei Welten, die erstaunlich gut funktioniert.

Süßer Höhepunkt? Unbedingt.
Wer glaubt, nach Pizza und Pasta sei Schluss, kennt die Dessertkarte noch nicht. Cannoli, Sfogliatelle, Delizia al Limone, Torta Caprese oder Pastiera Napoletana – vieles davon täglich frisch im Lokal gebacken.
Was ich besonders mag: Es wird wirklich an alle gedacht. Glutenfreie Varianten, vegane Optionen – ohne große Inszenierung, einfach selbstverständlich.

Zwei Standorte, eine klare Haltung
Neben dem neuen Lokal in der Bräunerstraße gibt es bereits einen zweiten Standort in der Berggasse. Die Philosophie bleibt dieselbe: ehrliche neapolitanische Küche, Zutaten vom eigenen Hof in Bacoli, kurze Wege und viel Handarbeit.
Und vielleicht ist genau das das Geheimnis. Kein übertriebenes Storytelling, sondern eine Familie, die einfach das macht, was sie seit Generationen kann – und es jetzt mit Wien teilt.
