ESC-Requisiten bei Poier-Vernissage

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© Andy Dobersberger

In der Galerie Kaiblinger in der Wiener Innenstadt wurde es eng, laut und zugleich angenehm schräg: Alf Poier eröffnete seine neue Ausstellung unter dem augenzwinkernden Motto „Cosmo hat den Tanzschein, Poier hat den Kunstschein!“ und verwandelte den Raum in eine Mischung aus Galerie, Bühnenkulisse und Erinnerungsarchiv.

Zwischen neuen Zeichnungen und Bildern tauchten plötzlich Relikte aus einer anderen Zeit auf – originale Requisiten seines legendären Eurovision Song Contest-Auftritts 2003 in Riga. Damals, als er mit „Weil der Mensch zählt“ gegen alle Erwartungen Platz sechs erreichte und damit ein kleines ESC-Kapitel schrieb, das bis heute nachhallt.

© Andy Dobersberger

Poier selbst blieb auch bei der Eröffnung seiner Linie treu: Kunst müsse nicht gefallen, nicht angepasst sein und schon gar nicht „woke im Sinne von glattgebügelt“, sondern dürfe irritieren, widersprechen und Themen aufbrechen. Seine Kunst sei, so sein Bild, wie ein Geländewagen – man könne damit Autobahnen fahren oder sich bewusst ins Unwegsame begeben. Er habe sich für Letzteres entschieden.

Galerist Siegfried Kaiblinger ordnete augenzwinkernd ein, der „Kunstschein“ sei Poier längst sicher, seit seiner ersten musealen Präsentation im Kunstforum Wien 2015. Der „Tanzschein“ hingegen werde ihm wohl weiterhin verwehrt bleiben – eine Spitze, die im Raum für einige Lacher sorgte.

© Andy Dobersberger

Die Vernissage selbst war ein Treffpunkt zwischen Kunst-, Medien- und Kulturszene. Unter den Gästen etwa Stella Jones, Christian Stani sowie Reinhard Jesionek und weitere bekannte Gesichter aus Medien und Politik. Die Mischung wirkte weniger wie ein klassischer Kunstabend, sondern eher wie ein gesellschaftliches Kaleidoskop mit ironischem Unterton.

Auch die Reaktionen der Gäste spiegelten diesen Ton: Begeisterung, Verwunderung und jede Menge interpretative Freiheit. Zwischen „einfach genial“ und pointierten Beobachtungen über Poier’s Bildsprache wurde klar, dass genau diese Reibung Teil des Konzepts ist.

© Andy Dobersberger

Zum Abschluss griff Poier selbst noch einmal in seine musikalische Vergangenheit zurück und ließ ein paar Takte seines ESC-Beitrags anklingen – ein Moment irgendwo zwischen Selbstironie, Nostalgie und Performance.

Die Ausstellung zeigt sich damit als das, was Poier seit Jahren konsequent verfolgt: ein Grenzgang zwischen Kabarett, Kunst und Kommentar zur Gegenwart – und das bewusst ohne glatte Kanten.

Die Verkaufsausstellung ist noch bis 30. Mai 2026 in der Galerie Kaiblinger, Spiegelgasse 21, 1010 Wien, zu sehen.